seinem Namen in Sammlungen von Vortragsstücken, wie sie damals dutzendweise, oft in billigen gehefteten Lieferungen, herausgegeben wurden. Wie wir sehen werden, muß es tatsächlich schon etwas früher, im Jahre 1866, in einer Zeitschrift gedruckt worden sein.

V

Im März 1866 ließ sich ein sanfter, etwas weltfremder Junggeselle aus der Gegend von Boston in einem möblierten Zimmer in New York nieder, um ein neues Leben zu beginnen. Sein Name war Horatio Alger, jr. Er hatte soeben nach langen inneren Kämpfen seinen Beruf als protestantischer Geistlicher aufgegeben und wollte sich nun eine neue Tätigkeit suchen, möglichst auf dem Gebiet der damals noch wenig entwickelten praktischen Sozialarbeit.

Alger (1834—1899) sollte bald den Beruf finden, durch den sein Name später sprichwörtlich wurde: die Massenfabrikation billiger Jugendschriften, in denen arme junge Schuhputzer oder Streichholzverkäufer es dank Ausdauer, Ehrlichkeit und glücklicher Zufälle zu Wohlstand und Ansehen bringen. Die Groschenhefte entsprachen dem damaligen Glauben an den „self-made man“ und fanden jahrzehntelang reißenden Absatz, so daß Alger es sich leisten konnte, in einem Heim für Zeitungsjungen und anderswo unbezahlt nützliche Fürsorgearbeit zu tun, manchmal auch verwahrlosten Kindern als stellvertretender Vater zur Seite zu stehen. Seine naiven, literarisch wertlosen Schriften sind heute nicht mehr ernst zu nehmen, werden aber als kulturhistorische Sammelobjekte von Liebhabern teuer bezahlt.

All dies lag indes noch in der Zukunft, als Alger während seines ersten New Yorker Sommers in einem Elendsviertel eine Missionskapelle besuchte und dort bei einem Kindergottesdienst Goughs „Steuermann“ vorlesen hörte. Der Stoff packte ihn so, daß er sich sofort nach dessen Herkunft erkundigte. Man verwies ihn auf eine religiöse Halbmonatsschrift, die im Lesesaal des Christlichen Vereins junger Männer ausläge. Alger machte sich dort am nächsten Tag eine Abschrift, setzte sich noch am selben Abend auf seinem unerträglich heißen Zimmer in Hemdsärmeln und ohne Kragen an die Arbeit und dichtete Goughs Prosastück in Bal-ladenform um. Von den zwölf achtzeiligen Strophen mögen die erste, neunte und letzte hier als Stilprobe im Original stehen:

JOHN MAYNARD

’Twas on Lake Erie’s broad expanse
One bright midsummer day, The gallant steamer Ocean Queen
Swept proudly on her way. Bright faces clustered on the deck,
Or, leaning o’er the side, Watched carelessly the feathery foam
That flecked the rippling tide.
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„John Maynard!“ with an anxious voice
The Captain cries once more, „Stand by the wheel five minutes yet
And we shall reach the shore.“ Through flame and smoke that dauntless heart
Responded firmly still,

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