über den offen proklamierten, straflosen Diebstahl von geistigem Eigentum aus England.) Und daß Dickens es damals nicht nötig hatte, irgendwelche Schriften anonym herauszugeben, liegt auf der Hand.

IV

„The Helmsman of Lake Erie“ ist, soweit bekannt, in den Jahren nach 1845 nicht wieder gedruckt worden. Bevor die Erzählung aber gänzlich in Vergessenheit geriet, veranlaßte sie einen seinerzeit berühmten Mann, den Apostel der Enthaltsamkeit John Bartholomew Gough (1817—1886), der Geschichte von John Maynard eine dauerhaftere Fassung zu geben.

Gough war geborener Engländer, kam mit zwölf Jahren nach Amerika, wurde Buchbinder, trat vorübergehend auch als Schauspieler auf und verfiel in jungen Jahren dem Trunk. Im Jahre 1842 bekehrte er sich zur Abstinenz und widmete den Rest seines Lebens mit ungeheurem Erfolg dem Kampf gegen den Alkohol. In Amerika und England drängte sich das Publikum, den bärtigen Apostel zu hören. Seine Veröffentlichungen Abdrucke und Sammelbände von Reden, ein illustriertes Buch anekdotenhaften und gelegentlich humorvollen Inhalts, sowie mehrere autobiographische Werke — waren jahrzehntelang weit verbreitet.

Goughs Schriften wimmeln von erbaulichen Geschichten, die meist von den Übeln des Schnapstrinkens, manchmal aber auch von der Würde oder der Selbsterniedrigung der Menschen überhaupt handeln. Für Anekdoten dieser Art will er ein ungewöhnlich entwickeltes Gedächtnis gehabt haben. Unter vielen andern Szenen von Not und Rettung zur See fiel ihm irgendwann „The Helmsman of Lake Erie“ in die Hände. Er machte daraus ein simples kleines Vortragsstück, offenbar für Kinder, in dem zwar vieles weggelassen oder vereinfacht, das Übernommene aber größtenteils treu, stellenweise fast wörtlich wiedergegeben ist.

Von der christlichen Seefahrt kann Gough trotz seiner weiten Reisen nur wenig verstanden haben, da er im Titel und auch sonst für „Steuermann“ nicht die gängigen Ausdrücke helmsman, steersman oder wheelsman verwendet, sondern das Wort pilot, das meist „Lotse“ bedeutet. Der vollständige Text lautet übersetzt:

DER STEUERMANN

Ein spannender Vorfall

John Maynard war in der Gegend der Großen Seen als gottesfürchtiger, ehrbarer und intelligenter Steuermann wohlbekannt. Er war Steuermann auf einem Dampfschiff von Detroit nach Buffalo. An einem Sommernachmittag (die Dampfer führten damals nur selten Rettungsboote mit) sah man Rauch aus dem Schiffsraum aufsteigen, und der Kapitän rief:

„Simpson, steigt hinunter und seht, was da los ist.“
Simpson kam mit aschfahlem Gesicht wieder herauf und sprach:
„Herr Kapitän, das Schiff brennt.“
„Feuer! Feuer! Feuer!“ hallte es alsbald an Bord.

Alle Mann wurden herbeikommandiert. Man schleuderte Eimer voll Wasser auf das Feuer, doch umsonst. Es waren große Mengen Harz und Teer an Bord, und der Versuch, das Schiff zu retten, stellte sich als zwecklos heraus. Die Passagiere eilten nach vorn und fragten den Steuermann:

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