wegen seiner hohen Stimme „Der Diskant-Amerikaner“). Fontanes Bekanntschaft mit ihm setzte sich im nächsten Sommer und auch später noch fort.16

Ob Fontane in der Tat auf einem oder dem andern dieser Wege zu Goughs Skizze gekommen ist, muß Vermutung bleiben. Daß er „John Maynard“ kaum vor Mitte der achtziger Jahre verfaßt haben kann, ergibt sich aber auch aus seinen eignen Aussagen über Beschäftigung mit Balladen überhaupt. Derartige Zeugnisse finden sich vor allem in Briefen, sowie hier und da in den Tagebuchnotizen, die zwar oft recht summarisch sind, den Verlauf dichterischer Arbeiten aber einigermaßen genau verzeichnen.

In den ersten Jahren nach 1875 ist keinerlei Interesse an Balladen angedeutet. Auch nach dem Anfang 1880, als aus plötzlicher Inspiration „Die Brück’ am Tay“ entstand, ist von weiteren Versuchen dieser Art zunächst nicht die Rede. Erst im Frühsommer 1885, während des Aufenthalts in Krummhübel, in dem die Arbeit an Quitt und die Bekanntschaft mit Grosser begann, wandte sich Fontane wieder intensiv dieser Dichtungsart zu, mit der er sich viele Jahre vorher seinen ersten Ruhm erworben hatte.

Daß die Freude am Balladenschaffen damals nach langer Pause neu erwacht ist und den Dichter selbst überrascht hat, zeigt eine Äußerung vom 4. Juni. An diesem Tag schreibt Fontane seinem Sohn Theodor, in der zugleich arbeitslustigen und resigniert-ironischen Stimmung, die in den Briefen seiner Spätzeit so oft herrscht:

... Seit anderthalb Wochen bin ich hier wieder allein und arbeite fleißig. Aber immer nur Verse. Daß es mir noch mal vergönnt sein würde, zu den Göttern oder Hammeln meiner Jugend zurückzukehren, hätt’ ich mir nicht träumen lassen. Es handelt sich dabei um ein ganzes Dutzend Balladen, so daß mein Balladenkapital, das ich Euch als einziges Vermögen hinterlasse, dadurch um ein Drittel anwächst. Wie hoch Ihr das veranschlagen wollt, muß ich Euch überlassen. Wäre der Sinn der Nation ein anderer, so würde dem vorstehenden Satz jede Bitterkeit, jede Selbstironie fehlen; wie’s aber ’mal steht und liegt, ist eine alte, sieben Jahre getragene Hausweste allerdings mehr wert als eine Ballade. Die Weste bringt auf dem Trödel wenigstens 1,50 Mark ein...17

Ähnlich heißt es in einem Brief vom 18. August an Emilie Zöllner:

... Es war hier sehr schön. Glückliche, beinah ungetrübte elf Wochen .. In den ersten sechs Wochen hab’ ich nur Verse geschrieben, Lieder und Balladen, so daß ich mit fünfundsechzig wieder bei fünfundzwanzig und beinah bei fünfzehn angelangt bin. Die Schlange, die sich in den Schwanz beißt; der Ring, der sich schließt. Man sagt, das bedeutet das Ende. Aber wenn auch, ich habe meine Freude daran gehabt...18

Gleichzeitig begann Fontane, an eine neue, erweiterte Ausgabe seiner Gedichte zu denken. Schon am 8. Juni schrieb er in diesem Sinn an seine Frau, mit der Bemerkung, er habe neben anderen bisher ungedruckten Versen etwa ein Dutzend meist noch unvollendeter Balladen unter der Hand19. Aber erst am 15. April 1887 schlug er dem Verleger der Gedichte, Wilhelm Hertz, eine neue Auflage vor. „John Maynard“ war inzwischen schon im Druck erschienen; dagegen waren manche anderen Verse unfertig liegengeblieben, und erst Anfang 1888 ist erst wieder von der

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